100 Minuten – Adventures in Modern Music Workshops

Die aktuelle Musikszene ist so breit, wildwuchernd und spannend und doch bekommt man vieles davon weder in den Mainstream-Medien, in Zeitschriften oder Musikfernsehen, noch im schulischen Musikunterricht mit.

 

Die "100 Minuten" bieten alles von zeitgenössischer Komposition über aktuelle Clubsounds, Hiphop  und modernen Jazz bis zu Noise und Klangkunst. Die Moerser Musikschule ist dabei nicht nur Gastgeber und Kooperationspartner, sondern auch mit eigenen Dozenten beteiligt. Die Workshopgruppen sind mit 10-15 Teilnehmern klein, intensive kreative Arbeit und produktive Diskussionen sind so möglich.

Workshops ´10 am 24. & 25. Juni 2010, 8.30 – 13 Uhr

WORKSHOP I
Barbara Buchholz / Musikerin & Theremin-Virtuosin (Berlin)

WAS IST DAS DENN?


Das Theremin ist das einzige Instrument, das man zum Klingen bringt, ohne es zu berühren. Als erstes elektronisches Instrument wurde es in den 1920er Jahren von dem Russen Lev Theremin erfunden. Damals seiner Zeit voraus, steht es heute für einen lebendigen und sinnlichen Umgang mit Elektronik. In diesem Workshop kann man mehr über das magische Instrument erfahren, über die Funktionsweise, seine Geschichte, den Erfinder Lev Theremin und die Verwicklung des Theremins in einen Spionagefall. Im zweiten Teil können die Teilnehmer das Instrument selbst ausprobieren und bekommen die Grundlagen der Fingertechnik vermittelt.
Bekannt wurde das Instrument durch den Einsatz in Hitchcocks „Spellbound“ oder den Science-Fiction-Filmen der 1950er Jahre, wo es mit großem Pathos und expressivem Vibrato gespielt wurde. Seitdem denken viele beim Klang des Theremins unwillkürlich an Spukgeschichten oder Filme über Außerirdische.
Barbara Buchholz ist eine weltweit herausragende Virtuosin auf dem Theremin. Sie hat  neue Klangmöglichkeiten und Spieltechniken entwickelt und das Instrument völlig neu positioniert, indem sie es als vollwertiges Instrument innerhalb von Jazz, improvisierter und Neuer Musik einsetzt. Neben ihrem Neue Musik-Projekt „Touch! Don’t Touch!“ stand sie u.a. mit dem Orchester der Hamburger Staatsoper, der österreichischen Jazz-Bigband Graz oder dem norwegischen Trompeter Arve Henriksen auf internationalen Bühnen. In der Sendung „Das Supertalent“ stellte sie das Theremin erstmals einem Millionenpublikum vor.



WORKSHOP II
Tim Heinrich (Musikproduzent, Sounddesigner, Filmkomponist), Bochum

FILMMUSIK UND SOUNDDESIGN


Ein Film besteht zur Hälfte aus Bildern, zur anderen aus Ton. Der Ton macht dabei ganz wesentlich die Emotionen aus, die ein Film transportiert. In diesem Workshop geht es neben der Geschichte der Filmmusik v.a. darum, am Computer Bilder mit Musik zu unterlegen, zu schneiden, zu collagieren und dabei verschiedene Techniken der Filmmusik zu erforschen. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht notwendig.
Weiterhin gibt es die einmalige Möglichkeit, sich eine Filmmusik-Orchester-Vorproduktion aus dem Rechner und die eigentlich Aufnahme anzuhören und zu vergleichen.
Dozent Tim Heinrich ist Musikproduzent, macht Film- und Werbemusiken (RTL, ZDF) und steht auch live auf der Bühne.


WORKSHOP III
Birgitta Schaub (Sängerin/Vocal Coach), Duisburg

VOCAL COACHING


Singen kann jeder. Aber ein bisschen Gesangstechnik hilft dabei, die Stimme besser klingen zu lassen und zu entfalten. Selbst kleine Veränderungen bewirken oft sehr viel.
Birgitta Schaub hat daraus einen Beruf gemacht. Sie hat als Vocal Coach u.a.  für "Unser Star für Oslo", "Deutschland sucht den Superstar", "Popstars", mit Barbara Schönberger, Sasha u.v.a. gearbeitet. Im Workshop wird der Unterschied zwischen einem Vocal Coach und einem Gesangslehrer geklärt (Studioaufnahmen, Livebetreuung/Tour, Projekt-Vorbereitungen). In Theorie und Praxis wird die Anatomie der Stimme veranschaulicht. Es gibt ein kleines Vocal-Warm-Up, das Ausprobieren verschiedener Klangfarben und Effekte an Songs und viel Platz für Fragen. Wenn dann noch Zeit bleibt, können SängerInnen-Videos angeschaut, analysiert und ggf. imitiert werden.
Wer gerne bestimmte Songs singen (oder ausprobieren) will, sollte nach Möglichkeit die Noten, Texte und eine Aufnahme davon mitbringen.

WORKSHOP IV
Infinite Livez  (Rapper & Produzent), London/Berlin

ART BRUT FOR DA YOOT

auf Englisch/ggf. mit Übersetzung

"Ich versuche immer, mit dem Ziel an Musik heranzugehen, etwas zu tun, was ich selbst noch nie zuvor gehört habe. Es ist wichtig, Dinge einfach auszuprobieren und anders zu machen." Dieses Credo ist der Musik des britischen Rappers und Produzenten Infinite Livez' aka Steven Henry an allen Ecken und Enden anzuhören. Spätestens als er  bei einer Promo-Tour zu seinem Debüt "Bush Meats" (2004) das avantgardistische Schweizer Electro-Duo Stade kennengelernt hat, das seine Musik größtenteils live improvisiert, gerät er auf die kreative Bahn. Mit "Art Brut For Da Yoot"  erscheint 2007 ihr erstes gemeinsames Album auf Big Dada, 2008 dann "Morgan Freeman´s Psychedelic Semen".  "Es war eine großartige Art und Weise zu arbeiten. Wir wollten unsere Ideen akustisch zusammenführen, ohne sie zu erzwingen", erzählt Henry über die Aufnahmen, bei dem die Stücke möglichst in einer einzigen Session aufgenommen und nur minimal nachbearbeitet wurden. Dieses ungewöhnliche Zusammenspiel hinterlässt zwar rätselnde Kritiker, stößt wegen seiner unzweifelhaften Individualität aber allenthalben auf Respekt und vorsichtigen Jubel. Und auch in seinen ungewöhnlichen Solo-Live-Sets wird viel improvisiert und experimentiert.
Im Workshop performed Infinite Livez einige Stücke, gibt vertiefende Einblicke in ihre Struktur, Einflüsse und technische Umsetzung, beantwortet Fragen und entwickelt zusammen mit  den Teilnehmern aus einfachen Loops einen eigenen Track.

WORKSHOP V (nur Do., 24. Juni)
Sarah Goldfarb (Musikerin & Choreographin), Brüssel

CREATIVE VOICES

auf Englisch (bitte meldet euch vorab bei Euren Lehrern, falls das ein Problem ist, dann versuchen wir, uns um Übersetzung zu kümmern)

Sprechen, Singen, Schreien. Musik. Einfach ausprobieren. Die Klangmöglichkeiten der eigenen Sing- und Sprechstimme ausloten. Als Chor improvisieren. Und wer ein Instrument hat - bitte mitbringen!

Seit den 1990er Jahren entwickelt die Komponistin und Choreographin Sarah Goldfarb ihre Stücke an der Schnittstelle von Tanz, Text und Stimme. Sie hat eine Vielzahl von Workshops, kreativen Projekten und Trainingsprogrammen u.a. für La Monnaie (Brüssel), die Oper von Lille, Ars Musica oder die Cité de La Musique in Paris geleitet und 2004 das Studio ReMuA (Réseau de Musiciens Intervenants en Ateliers) gegründet. Sie unterichtet Improvisation am Konservatorium von Liege und "Musical Creativity" am Brüsseler Conservatoire Royal de Musique.


WORKSHOP VI
Lars Bohn  (Songwriter & Produzent), Münster

ABLETON LIVE  - REALTIME REMIXING


In diesem Workshop wird mit Hilfe der Software bekanntes Material durch den Wolf gedreht und geremixt. Acapella-Versionen bekannter Hits bilden dafür die Basis, werden mit eigenen Beats gemischt und das Ganze per Controller live arrangiert. Für den letzten Schliff sorgen Effekte, Filter etc. Wer möchte, kann auch eigene Vorschläge, Beats oder Songs als MP3 mitbringen.
Der junge Songwriter und Produzent Lars Bohn kam über den Keyboardunterricht an einer Musikschule zur Musik. Schon bald reichte ihm das Nachspielen der Unterrichtsliteratur nicht mehr aus. Das Interesse, selbst kreativ und musikalisch produktiv zu werden, führte zu ersten Gehversuchen im Homerecording, aus denen bald ganze Produktionen, eigene Studioprojekte, ein Studium an der Musikhochschule Münster und schließlich der Beginn einer Karriere als Songwriter und Produzent wurden.

WORKSHOP VIIa (8.30 - 10.10 Uhr)
Luka Toyboy (Musiker/Klangkünstler/Radio-DJ), Belgrad

BLIND TAPE QUARTETS

auf Englisch (s.o.)

Lukatoyboy, alias Luka Ivanovic, ist ein Musiker, Sounddesigner und Journalist aus Belgrad. Er war als Performer und mit seinen Projekten u.a. in Holland, Deutschland, den USA, der Türkei, Ungarn, Polen, Bulgarien und dem Kosovo zu Gast Lukatoyboy arbeitet in seinen elektro-akustischen Improvisationen mit Feedback, Field-Recordings, kleinen FM-Transmittern, Gameboys  oder Nintendo-Konsolen.
Im Mittelpunkt dieses Workshops stehen aber zwei richtige Dinosaurier: Die Audiocassette und der Vier-Spur-Rekorder. Mit diesem altertümlichen Werkzeug werden Teilnehmer mit und ohne Musikwissen zu einem spontanen virtuellen Improvisationsquartett. Die erste Person bespielt (oder besingt) eine Spur des Vierspurrekorders. Dann kommt die nächste an die Reihe usw. So entstehen kleine Sound-Miniaturen, die die Teilnehmer dann - auf Cassette - mit nach Hause nehmen können. Es werden einige Instrumente zur Verfügung stehen, es können aber auch welche mitgebracht werden. flavors.me/lukatoyboy



WORKSHOP VIIa (8.30 - 10.10 Uhr)
Luka Toyboy (Musiker/Klangkünstler/Radio-DJ), Belgrad

REACTIVE MUSIC ON THE GO

auf Englisch (s.o.)

Der Workshop "Reactive Music on the Go" greift die neuen Möglichkeiten der RJDJ-Applikation für das iPhone/iPod Touch auf. Er richtet sich an alle, die Lust darauf haben, ihre alltägliche Umgebung mit anderen Ohren zu hören und diese Sounds in Echtzeit zu bearbeiten. So werden Autolärm, erlauschte Gespräche, Vogelgezwitscher oder zugeschlagene Türen zu Musik und dann kann man das Ganze auch noch im Netz mit anderen teilen...   
Bitte installiert Euch die kostenfreie App RJDJ, falls ihr Euer/en iPhone oder iPod Touch mitbringt.
flavors.me/lukatoyboy
www.rjdj.me/user/lukatoyboy/


WORKSHOP VIII
Kaspar König (Industriedesigner/Klangkünstler), Maastricht/Berlin

MY ROOM IS MY INSTRUMENT


Was wäre, wenn deine Gitarre so groß ist wie ein Zimmer? Wenn alle Wände und Fenster Lautsprecher wären und wie kann man alles mit einer Nylon-Schnur so verbinden, dass  es ordentlich klingt? Spiel mit Deiner Fantasie und erfinde Dein Zimmer neu. Hohlräume werden Klangkörper, Mülleimer Kontrabässe, der ganze Raum ein großes Instrument.
Gemeinsam untersuchen die Workshopteilnehmer das klangliche Verhalten des Raumes, spannen und spielen Saiten, mikrofonieren und bauen den ganzen Raum zur Klanginstallation um. Schließlich wird mit Hilfe einfacher kompositorischer Mittel ein Stück für das neue Instrument komponiert und gespielt.
Eine handwerklich-musikalische Klangexpedition in die Beschaffenheit von Wänden, Möbeln und Zwischenräumen.
Kaspar König ist Klangkünstler, Industriedesigner und Erfinder und bewegt sich zwischen nachhaltigem Design, Sound & Performance.
www.kasparkoenig.com


WORKSHOP IX
Alessio Nocita (Keyboarder, DJ)

HOUSE & TECHNO -DJING


In diesem Workshop geht es um DJ-Skills im Bereich Techno, Trance und House: Welche Stile gibt es? Wie gestaltet man eine Playlist? Wie macht man einen guten Mix? Welches Equipment braucht man? Wie kann man mit EQs und Cueing den Sound verbessern? Das Mitbringen eigener Tracks (Techno - Trance - House) kann von Vorteil sein, ist jedoch nicht erforderlich.
Alessio Nocita ist als DJ, Tontechniker, Studiomusiker, Keyboarder und Cembalist in verschiedenen musikalischen Stilen zuhause. Konzerte im In- und Ausland als Solist und mit seinen Formationen Les Barbares Baroques (Barock),  Les Joyeux (Crossover), Emerald Edge (Progressive Metal) und der Sinfonietta Köln.  Zur Zeit ist Alessio Nocita Dozent für Keyboards/Music Production/DJing, Pop- & Jazzpiano, Cembalo, Musiktheorie und Korrepetition an der Niederrheinischen Musik- und Kunstschule Duisburg, der Moerser Musikschule und an der Robert-Schumann Hochschule Düsseldorf.



WORKSHOP X
Klaus Fiehe (Musiker, RadioDJ), Solingen

GOOD MORNING, MOERS

Wie geht das, Radio? Worauf achtet man, wenn man im Radio spricht und auflegt? Wie macht man eine Sendung? Und wie kommt man überhaupt dorthin?
Klaus Fiehe, Musiker, Radio-DJ bei 1Live und Byte.FM und seit über zehn Jahren einer der profiliertesten Hörfunkmoderatoren im Lande, versucht diese Fragen zu beantworten. Es geht um Recherche, Musikauswahl und Moderation, um Radio als Beruf und Hörfunk in Zeiten des Internet - und natürlich um Musik. Außerdem wird Fiehe praktische Einblicke ins Radiohandwerk geben (zB zusammen mit den Teilnehmern ein Interview mit einem der "100 Minuten"-Künstler konzipieren).
Klaus Fiehe, der in den 1980er Jahren als Sänger und Saxophonist der Neue Deutsche Welle-Band Geier Sturzflug bekannt wurde, spielt heute in der britischen Punk-Band The Bollock Brothers. Seit 1996 moderiert er bei 1Live und führt in 1 Live Fiehe (bis 2006: "Raum und Zeit") jeden Sonntagabend von 22 bis 1 Uhr durch eine der letzten verbliebenen Autorensendungen im deutschen Radio. Das heißt, die Musik wird nicht durch eine Redaktion bestimmt, sondern von Fiehe selbst. Außerdem moderiert er jeden Mittwochmorgen von 0 bis 1 Uhr Plan B mit Klaus Fiehe. Oft verglichen mit dem britischen Kult-DJ und BBC Moderator John Peel, ist auch Fiehes Sendung genreübergreifend, von altem Krautrock bis modernem Minimal und Dubstep. Seit 2008 arbeitet Fiehe außerdem ehrenamtlich bei ByteFM mit, einem Internetradio, das der Medienjournalist Ruben Jonas Schnell im in Hamburg gegründet hat und das mittlerweile auch einen Ableger in Bochum hat.
P.S.: Nach eigenen Angaben umfasst die Sammlung von Klaus Fiehe 40.000 Schallplatten. www.einslive.de/team/moderatoren/fiehe_klaus.jsp

WORKSHOP XI
Thomas Klecha

DRUMMING


Trommeln. Die Kraft des Rhythmus und des Zusammenspiels.
In diesem Workshop wird nur praktisch musiziert. Mit Händen, Füßen, Trommeln. Bis der Rhythmus abhebt. Die Teilnehmer müssen weder Musiker sein, noch sich für rhythmisch begabt halten, sondern nur Lust auf Rhythmus haben.
Thomas Klecha ist Schlagzeuger, Vibraphonist und Dozent an der Moerser Musikschule.


WORKSHOP IX (nur Fr., 25. Juni)
Hans Lüdemann (Pianist/Komponist), Köln

IS JAZZ DEAD?


Moers ist seit den 70er Jahren die Heimat eines der wichtigsten Jazzfestivals der Welt. Aber was ist das eigentlich, Jazz? Ein aktuelle Musik, ein historischer Stil, vielleicht sogar beides? Klar ist: Seit den 70ern ist viel passiert, auch im Jazz. In der Zwischenzeit hat er sich immer wieder gehäutet und alles aufgesogen, was in der Luft lag, von Neuer Musik über Free Funk, Drum´n Bass oder Hiphop bis zu verschiedenen ethnischen Musiken aus Asien oder Afrika.
Hans Lüdemann, einer der spannendsten Jazzpianisten Deutschlands, beschäftigt sich seit langem intensiv mit Vergangenheit und Zukunft des Jazz, ist auf ausgedehnten musikalischen Reisen u.a. in Afrika und Amerika unterwegs gewesen und war zuletzt Gastprofessor am US-amerikanischen Swarthmore College. In seinem Workshop wird er Musik am Klavier und aus der Konserve vorspielen und versuchen, ihr gemeinsam mit den Workshopteilnehmern auf den Grund zu gehen.
„[...] Elektronisierung und Globalisierung finden sich in Lüdemanns Musik ebenso wieder wie sehr verschiedene Traditionslinien, die sich mit Namen wie Bach, Cage, Coltrane oder Makeba andeuten lassen. Daß die simultane Verfügbarkeit aller Informationen nicht zum unverständlichen Kauderwelsch führt, sondern in eine erkennbar eigene Sprache mündet, ist eine Stärke von Lüdemanns Musik. [...] Wenn die Zukunft des Jazz so klingt wie Hans Lüdemanns Futurism, können wir ihr hoffnungsfroh entgegensehen" FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung

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100 Min ´09

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100 Min. ´08